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»Spaß steckt im Detail«
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30.05.2019

»Spaß steckt im Detail«

Die Fernsehnation kennt Jan Josef Liefers als Professor Boerne aus dem „Tatort“. Doch es ist dem Schauspieler gelungen, ein reiches Rollenleben außerhalb des Sonntagskrimis zu entfalten. Er spielt fürs Kino, im TV, spricht Hörbücher. Als Musiker tourt er mit seiner Band Radio Doria durchs Land. Nun ist er auf der Leinwand zu hören. Der Schauspieler ist Ende Juni mit dem Animationsfilm „Pets 2“ im Kino. Dort leiht er dem Hund Max seine Stimme.
 
In Pets 2 gibst Du wieder dem niedlichen Hund Max Deine Stimme. Wie war es diesmal?
Schön natürlich! Eigentlich war es beim zweiten Mal einfacher. Beim ersten Mal bist Du mehr auf der Suche, passt die Stimme zur Bewegung, sprichst Du im Einklang mit der Figur auf der Leinwand. Das ist gar nicht so einfach...

Aber Du bist doch ein alter Hase im Schauspiel- und vor allem Synchrongeschäft.
(lacht) Danke! Aber das hatte ich am Anfang ein wenig unterschätzt, wenn Du einen animierten Film synchronisierst. Die Tiere können ja alles: Ihren Kopf sechs Mal um den Hals drehen, was ein Mensch nie könnte, und dann schnipst der Kopf zurück und am Ende machen sie: „Williieh“ und es kommt eine zwei Meter fünfzig lange Zunge aus dem Hals heraus. Wenn Du das vertonen willst, musst Du richtig Gas geben. Das ist auch körperlich anstrengend. Wenn ich abends nach Hause kam, war ich erst einmal heiser und musste zwei Stunden die Klappe halten, damit sich die Stimme wieder regenerieren kann. Aber Spaß macht das jede Sekunde!
 
Geht es in Pets 2 mit Jack Russell Terrier Max  wieder genau so tierisch zur Sache?
Das ist diesmal wirklich wieder eine süße Geschichte. Katie, sein Frauchen, wird schwanger, bekommt einen kleinen Sohn. Und Max entwickelt sich zu so einem Helikopter-Vater-Hund, der vor Sorge fast stirbt, dass dem Kleinen was passieren könnte. Das wird zu viel für ihn und er entwickelt so einen Kratz-Zwang. Er braucht dringend Therapie. Max muss lernen, dass das Leben nichts ist, wovor man sich fürchten oder verstecken muss, sondern seine Risiken hat. Wenn man vom Baum fällt, dann fällt man eben mal vom Baum, und wenn man sich das Knie aufschlägt, dann schlägt man sich mal das Knie auf. 
 
Das klingt alles irgendwie sehr menschlich ...
Ja, die Figuren sind alle sehr vermenschlicht. Aber das machen wir mit unseren Haustieren im richtigen Leben ja auch. Wir projizieren viel mehr menschliches in sie rein, als da ist. "Guck mal, ich glaube unser Hamster hat mich gerade angelächelt…"
 
Bist Du privat auch schon auf den Hund gekommen?
Ja wir haben zwei Hunde und eine Katze.  
 
Und die sind auch so verwöhnt wie Filmhund Max?
Nee, und eigentlich ist Max ja jetzt auch nicht richtig verwöhnt. Für unsere Hunde ist die Welt in Ordnung, wenn alle zusammen sind und kein Stress ist. Sie kriegen immer nur große Augen, wenn einer geht, das gefällt ihnen nicht so gut. Aber sie sind völlig aus dem Häuschen, wenn einer kommt. Das ist das Schöne – ein Hund ist einfach 360 Grad froh und 24 Stunden, sieben Tage die Woche happy, Dich zu sehen. Das kriegst Du von keiner Ehefrau und von keinem Deiner Kinder. (lacht) 
 
Mal ehrlich: Fragst Du Dich nach Pets 2, was machen Deine Hunde, wenn keiner im Haus ist?
So richtig habe ich mir die Frage noch nicht gestellt, aber der Gedanke ist natürlich lustig: Sobald Herrchen und Frauchen aus dem Haus sind, entspinnt sich dort ein Parallel-Leben, von dem wir nichts wissen. Das ist die Idee, auf der der Film basiert. Die Realität sieht wahrscheinlich so aus, dass die sich einfach irgendwo hinlegen und pennen. Vielleicht machen sie sich aber auch den Fernseher an und gucken „Pets“.  (lacht)
 
Die Meisten kennen Dich aus dem „Tatort“...
Ja, das nehmen wir auch jedes Mal erstaunt und freudig zur Kenntnis, dass dieser Münster-Tatort so viele Menschen in diesem Land begeistert. Und das quer durch alle Altersklassen und Berufe hindurch, von ganz jung bis ganz alt und von ganz schlau bis nicht ganz so schlau – das geht so einmal durch das ganze Land durch. Manchmal fühlt man sich wie bei einem Lagerfeuer, um das sich dann alle in einer kalten Nacht versammeln, das finde ich schon sehr schön! 
 
Hättest Du damit gerechnet, als Ihr vor 17 Jahren als Tatort-Team angefangen habt?
Natürlich nicht, sowas kannst Du ja nicht planen. Das passiert. Zum Beispiel Axel und ich, wir kannten uns vorher gar nicht und haben trotzdem vom ersten Drehtag an unglaublich gut zusammen spielen können. Ich mag, wie er spielt und er kommt mit meinem Kram gut klar, wir können gut miteinander umgehen, obwohl wir so verschieden sind. Was die Komödiantik angeht, kommen wir aus dem selben Stall. Das ist schon ein glücklicher Umstand. 
 
Wie viele Münsteraner Tatorte gibt es dieses Jahr noch mit Euch?
Dieses Jahr gibt es zum ersten Mal drei, sonst jedes Jahr zwei. Einer ist schon gelaufen, der nächste wird am 27. Oktober gesendet und dann noch einer vor Weihnachten am 22. Dezember. Vor Kurzem haben wir wieder einen neuen Tatort gedreht, im November geht es noch ein weiteres Mal ans Tatort-Set.
 
Und was machst Du dazwischen?
Erst einmal werden andere Filme gedreht, ich habe eine Band, ich habe eine Familie, 1000 Ideen, 1000 Projekte, habe eine kleine Produktionsfirma, mit der wir Stoffe entwickeln... Manchmal sagen Leute auf der Straße zu mir: „Mensch, jetzt hat man Sie aber eine Weile nicht gesehen...“, dann antworte ich: „Sehen Sie, dass ist immer die Zeit, in der ich arbeite.“ (schmunzelt)
 
Im November feiern wir 30 Jahre Mauerfall. Am 4. November 1989 hast Du dafür demonstriert?
Ich gehörte zu der Gruppe von Leuten, die diese Demonstration mitorganisierten. Diese Demo war die erste und einzige genehmigte Protestaktion gegen die eigene Regierung, die je in der DDR stattgefunden hat. Ich war damals Schauspieler am Deutschen Theater und sympathisierte mit der Bürgerbewegung Neues Forum. Von Wiedervereinigung war noch gar nicht die Rede. Wir wollten die DDR-Führung zum Dialog zwingen. Dann machte die Befürchtung die Runde, dass sich die alten Regierungsbonzen auf dem Alexanderplatz mit in die erste Reihe stellen wollten. 
 
Und dann?
Wir wollten verhindern, dass sie unsere Demo für sich vereinnahmen. Jeder Demonstrant auf dem Alex hätte sich doch verarscht gefühlt, schon wieder die alten Gesichter vorgesetzt zu bekommen. Ich wurde gebeten, mir über Nacht eine Rede zu überlegen, die gleich am Anfang klarmachte, dass wir denen zwar das Wort nicht verbieten, aber mit den alten Bonzen nichts am Hut haben. Es ging damals ja um Dialog. Das war das große Zauberwort.
 
Hat es Dich Überwindung gekostet, vor vielen hunderttausenden Menschen zu sprechen?
Ich glaube ja, aber ich war überzeugt davon, das Richtige zu tun. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, dass das Ende der DDR so nah war. Aber diese große Kraft, die in diesem friedlichen Protest lag, die war nicht mehr zu überwinden. Das war letztlich einmalig in der Welt, friedlich und unblutig. Es wurde niemand aufgehängt, es wurde niemand öffentlich erschossen. 
 
Würdest Du wieder auf die Bühne gehen, wenn diese Situation nochmal käme?
Wenn ich es richtig fände, würde ich das wieder tun. Heute liegen aber meine Probleme anders. Konservative Populisten beschwören eine Welt von vorgestern, und vielen Menschen gefällt das. Kurzer Prozess, nicht lange fackeln, einfache Antworten, großspurige Sprüche und nationale Selbstüberhöhung - das scheint alles  wieder attraktiv zu werden. Klar ist der Kapitalismus, wie wir ihn seit einigen Jahren erleben, ausgesprochen kritikwürdig. Klar ist Europa noch längst nicht da, wo man es sich erträumt. Aber dass früher die Welt noch in Ordnung war, ist ein uraltes Märchen. Man kann die Zeit weder anhalten noch zurück drehen. Man könnte sich stattdessen darum kümmern, dass zunehmend wachsende Ungerechtigkeit und Unfairness in der Welt gemildert wird, unsere Umwelt besser geschützt wird, der Finanzkapitalhazard zivilisiert wird usw. Das ist natürlich zähe und mühsame Arbeit und nicht so schick, wie markige Parolen. Ich bin sehr für Streit, aber wenn wir noch etwas hinbekommen, dann nur gemeinsam und nicht gegeneinander.     Interview: Bernd Wegner
 

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