BVG-Logo
Interview ohne PLUS

30.03.2020

Interview ohne PLUS

Überwiegend komödiantisch – so ist Christoph Maria Herbst im Film und Fernsehen. Die Königsdisziplin ist für den gebürtigen Wuppertaler beruflich genau das Richtige und deshalb fühlt er sich schon viele Jahre in diesem Genre zu Hause. Ostern beginnt die neue Staffel der ZDF-Serie „Merz gegen Merz“, in der er neben Annette Frier einen Mann kurz vor der Scheidung spielt. Ein Gespräch über Humor und Ehekrisen, das Rheinland und Berlin und über „Stromberg“, obwohl das gar nicht vorgesehen war ...

Bei „Merz gegen Merz“ geht es um ein Ehepaar, das in der Krise steckt ...
Das ist lieb ausgedrückt, wir sind mitten in der Scheidung!

Ups! Jetzt frag ich mich: Krise, Scheidung und Comedy – wie passt das zusammen?
Heute ist unter der Überschrift Komödie alles möglich. Gerade bei „Merz gegen Merz“ tut es richtig weh, weil die Situationen teilweise so unfassbar real sind. Ralf Husmann hat wieder ­böse Texte ins Drehbuch geschrieben. Es knirscht einfach an allen Ecken und Enden. Und wenn die Liebe geht, aber der Partner nicht? Was sollte man dann tun? Im besten Fall lachen.

Darfst du verraten, magst du verraten, wie es ausgeht? Gibt es ein Happy End?
Hm, beides nein. (lacht) Ich darf nicht erzählen und mag nicht erzählen. Die Leser sollen es sich doch ansehen.

Das ist aber schade ...
(schmunzelt) Na gut, so viel kann ich sagen: „Merz gegen Merz“ wird auch mit der zweiten Staffel noch nicht zu Ende erzählt sein. Und ich darf dem Leser vom BVG-Magazin exklusiv schon jetzt mitteilen, dass das ZDF einer dritten Staffel gerade grünes Licht gegeben hat. Wir werden vermutlich Anfang 2021 in die Dreharbeiten für die dritte Staffel einsteigen.

Wie wichtig ist Humor in deinem Alltag?
Extrem wichtig. Ich glaube, dass ich schon durch eine „freundliche“ Brille aufs Leben gucke. Wenn ich Menschen in der Straßenbahn oder im Bus in bestimmten Alltagssituationen beobachte, kann ich mich über allzu Menschliches gut amüsieren. Passiert mir ein Missgeschick, ob ich irgendwo ausrutsche oder mir ein Schlüssel abbricht – du wirst es nie erleben, dass ich dann im Karree springe oder jemanden ungerechterweise zusammenstauche. Meine erste Reaktion wird sein, dass ich mich erst mal totlache.

Heißt das, du ärgerst dich über nichts und niemanden?
Nee, lustigerweise! Die Rollen, in denen ich Typen mit kurzer Zündschnur spiele oder die immer einen frechen Spruch auf der Lippe haben, haben mit mir und meinem Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen überhaupt nichts zu tun. Deswegen ist es für mich auch umso spannender und lustvoller, solche Figuren zu spielen. Es gibt schließlich nichts Langweiligeres für einen Schauspieler, als sich selbst zu spielen. Leute vom Gegenteil zu überzeugen, die sonst sagen: „Äh, der ist ja gar nicht so ein Arsch, wie er immer spielt ...“, ist für mich immer eine diebische Freude.
 
Aus dem komödiantischen Fach bist du nie so richtig rausgekommen ...
Nee, die Frage ist, ob ich das überhaupt jemals wollte! Es ist für mich nach wie vor die Königsdisziplin. Seit Jahren gibt es eine schöne Vermischung der Genres. Ich selbst fand schon immer Tragikomödien oder Komödien mit Substanz, wie „Merz gegen Merz“, spannender als nur oberflächliche Geschichten, die einen nur zum Lachen bringen. Auch die haben was für sich, sind aber nicht so zwingend meins. Und deshalb glaube ich, dass man sich im ­Genre Komödie sehr, sehr lange gut zu Hause fühlen kann.

Gibt es eine Rolle, von der du sagst, die möchte ich unbedingt noch mal spielen?
Ehrlicherweise, nein. Weil mir das Leben schon so viele Rollen geschenkt hat, auf die ich selbst gar nicht gekommen wäre und in denen ich mich so pudelwohl gefühlt habe. Also ich gehöre nicht zu denjenigen, die sagen, einmal Macbeth spielen, Hamlet oder Richard III. – und dann sterben … Ich will mich da auch gar nicht mit irgendwelchen Wünschen zumachen, sondern will mich immer mehr und immer stärker noch öffnen, für das, was da noch schlummert, um dann zur Verfügung zu stehen.

Du wolltest also immer Schauspieler werden?
Ich habe nach meinem Abi ja erst mal eine Banklehre gemacht und da haderte ich total mit, denn ich wollte zu der Zeit eigentlich schon Schauspieler werden.

Warum hast du sie dann trotzdem gemacht?
Ich habe das meinen Eltern zuliebe gemacht. Wir haben besprochen, ich mache die Banklehre, und danach darf ich tun, was ich will. Also lernte ich bei der Deutschen Bank. Das ist genau die, die sich gerade abwickelt. Man könnte fast sagen: Seit ich die Deutsche Bank verlassen habe, geht’s mit ihr ­eigentlich bergab. (lacht) Ich bin auch noch Jahrgangsbester gewesen.

Jahrgangsbester, obwohl du überhaupt gar keinen Bock darauf hattest?
Genau, denn wenn ich was mache, dann will ich es auch richtig machen. Sonst ist es echt weggeschmissene Lebenszeit. Aber im Rückblick war es auch das Richtige. Ich merke heute: In meinem jetzigen Beruf geht es mir, auch wenn es mir mal objektiv scheiße ging, immer noch besser als in den besten Momenten in der Bank.

So schlimm?
Ich rede jetzt gar nicht von den Menschen, die ich dort kennengelernt habe, viele waren entzückend. Aber die Arbeit als Banker hatte mit mir nichts zu tun. Trotzdem habe ich auch viele Impulse in dieser Zeit gewonnen. So sah zum Beispiel der damalige Chef der Scheckwechsel-Abteilung – die gab es wirklich! – äußerlich aus wie Bernd Stromberg. „Stromberg“ war damals noch Zukunftsmusik – das kam ja viel später.

Ich hatte mich gar nicht getraut, nach „Stromberg“ zu fragen, aber jetzt bin ich neugierig ...
Als „Stromberg“ losging, wusste ich genau, wie er aussehen soll. Ich habe mir mit dem Rasierapparat meine Lockenpracht abgemäht und diesen schlimmen Bart wachsen lassen. Für mich war ich dann, zumindest ein Stück weit, der Chef der Scheckwechsel-Abteilung. Äußerlich! Charakterlich hatte der Stromberg mit mir nichts zu tun. Aber dieses leicht Muffige war mir wichtig. Insofern hatte die Bank schon ihre guten Seiten.

Gut, dass wir drüber geredet haben. Kannst du Fragen über „Stromberg“ überhaupt noch hören?
Keine Angst, ich gehe nicht wie ein HB-Männchen in die Luft, wenn man mich darauf anspricht. (schmunzelt) Mich stört nur, wenn man mich darauf reduziert. Es waren zehn gute Jahre, und ich wollte die Kuh auch nicht bis zur Laktose-Unverträglichkeit zu Tode melken. Ich sage immer, ich bin von Beruf nicht Stromberg-Darsteller, sondern ich bin Menschen-Darsteller. Und da warten hoffentlich noch viele andere Menschen und Charaktere auf mich, denen ich meine Stimme und meinen Körper leihen kann.

Du lebst ja in Köln. Könntest du dir vorstellen, Berliner zu sein?
Berliner zu sein, nicht, dafür bin ich dann doch zu sehr Rheinländer. Diese Mentalität von NRW, das Rheinland, das ist schon meine Welt. Ich weiß schon, wo ich hingehöre. Wenn ich deine Frage umformulieren darf, ob ich mir vorstellen kann, irgendwann in Berlin zu leben – ja! Auf jeden Fall, aber immer nur als Zweitwohnsitz.

Warum nicht für ganz?
So gerne ich in Berlin bin, freue ich mich aber auch, dass mein Hiersein endlich ist. Da ist mir Berlin dann doch zu groß, zu unübersichtlich, zu hip. Als die Mauer fiel, zogen gefühlt alle Schauspieler aus dem Westen nach Berlin. Ich bin, glaube ich, einer der wenigen, die Köln die Stange gehalten haben. Außerdem verhalte ich mich von Hause aus immer antizyklisch. Wenn alle nach Berlin gehen, bleibe ich erst recht in Köln.

Aber wenn doch die Spree, würdest du mit uns Berlinern klarkommen?
Ich glaube, der Rheinländer kommt total gut klar mit dieser rotzigen Offenheit der Berliner. Zum Beispiel mit den Taxifahrern. Der Berliner redet gerne, auch gerne viel und gerne mal über sich. Und als Rheinländer kann man gut zuhören, und schon ist man mit einem Berliner in einem tollen Gespräch. 

Interview: Bernd Wegner

Info zu „Merz gegen Merz“
Immer noch kein Happy End in Sicht? Das Ehepaar Anne und Erik Merz streitet weiter. Die zweite Staffel der ZDF-Comedyserie mit Annette Frier und Christoph Maria Herbst startet genau richtig zu Ostern. Die neuen Folgen laufen in Doppelpacks. Los geht es am ­ 9. April, die weiteren Folgen kommen am 11., 12. und 13. April, natürlich im ZDF.
 

AKTUELLE MELDUNGEN

BVG unterstützt Aktion gegen häusliche Gewalt

24.11.2020

BVG unterstützt Aktion gegen häusliche Gewalt

Familienministerin Franziska Giffey ruft zum Handeln auf.

Weiterlesen
Die BerlKönig-Flotte

18.11.2020

BerlKönig jetzt noch enger mit dem klassischen ÖPNV verknüpft

Algorithmus bietet Vorschläge für beste Verbindungen.

Weiterlesen
Günstige 10-Uhr-Karte gilt schon ab 9 Uhr

02.11.2020

Günstige 10-Uhr-Karte gilt schon ab 9 Uhr

Regelung gilt im ganzen November in BVG und S-Bahn

Weiterlesen
Weitere Meldungen