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»In der Natur bin ich am besten kreativ«
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30.01.2020

»In der Natur bin ich am besten kreativ«

Jana Pallaske hat schon viel ausprobiert: Sie spielte in einer Rockband, reiste durch die Welt, sie tanzte bei „Let's Dance“ und spielte in „Fack ju Göhte“ mit. In diesem Jahr öffnet sich ein neues Kapitel – die Berlinerin gründet ihre eigene Produktionsfirma. Ein Gespräch über den „Lassie“, der diesen Monat in die Kinos kommt und warum es wichtig ist, auch über die Veränderung der Welt nachzudenken.

Viele behaupten „Oh, die Jana polarisiert“. Ist das ein Problem für Dich?
Nee, das ist toll – es bedeutet doch, dass ich wahrhaftig bin. Ich verstelle mich nicht, um jemandem zu gefallen. Im Gegenteil, bei mir kann man sich auf eines verlassen: Ich bin authentisch, ehrlich. Ich traue mich zu sagen – und zu leben – was andere sich nicht trauen, vielleicht nicht mal zu denken. Leider. Menschen, die die Welt verändert haben, haben immer polarisiert. Das ist es alles wert.

Willst Du die Welt verändern?
Ja, schon. So geil ist der Zustand ja nun momentan gerade nicht, oder? Ich wurde fast 20 Jahre meines Lebens als Öko belächelt – „Ach das naive kleine Hippie-Mädchen, soll sie doch Bäume umarmen gehen ...“ Zum Glück ist Umweltschutz in den letzten Jahren endlich ein respektierter Wert geworden.

Umweltschutz liegt Dir sehr am Herzen, oder?
Ich wurde zum Beispiel auch manchmal richtiggehend herablassend gefragt – „Was, Du fährst mit den Öffentlichen?!“ – Weil für manche ein dummes Statussymbol wichtiger ist als die Umwelt. Ich hoffe, die überdenken ihr Werte-System langsam. Nein – besser DRINGEND! Ich bin absolut BVG-Fan und Nutzer und fühle mich jedes Mal gut, wenn ich meinen CO2-Abdruck in irgendeiner Form minimieren kann. 

Bus und Bahn fahren ist aber nur ein Anfang?
Bevor jetzt die Hate-Trolls kommen, um wie üblich – statt ihre Lebensenergie selbst produktiv zu nutzen – bei X Sachen die jemand bewusst, aktiv und diszipliniert gut macht, den einen wunden Punkt zu finden und sagen – „Joah! Aber, die fliegt doch!“ Ja, aber so wenig wie möglich, und wenn ich auf meiner Insel lebe, versuche ich den Flug auszugleichen, indem ich monatelang Solarstrom nutze und dort Bäume pflanze, Dschungelland vor der Abholzung beschütze, täglich Plastikmüll am Strand aus dem Wasser fische, in akribischer Kleinstarbeit meinen Müll selbst von Hand trenne, kompostiere und recycle, was geht.
Ich bin sowohl dort als auch hier in Berlin in meinem Kiez, und auch an den Sets, an denen ich arbeite, dafür bekannt, immer meine eigenen wiederverwendbaren Behälter und Taschen mitzubringen und vehement Plastikflaschen abzulehnen. Letztes Jahr habe ich für Lassie und eine andere Produktion in Tschechien gedreht und bin insgesamt 16 Mal je fünf Stunden mit dem Zug hin und her gefahren statt, zu fliegen.

Da sollten sich doch Nachahmer finden lassen!
Ich habe gelesen, Ihr wollt Eure Haltestellen mit Solarpaneelen oder Grün für die Bienen bedecken. Das ist ein großartiger Schritt. Ich finde schon lange, dass es ein Eklat ist, dass Dächer in Westeuropa kaum genutzt werden, ja es sogar verpönt ist! Wie absurd! Wir haben der Natur diese lebendige, Sauerstoff produzierende Fläche weggenommen – Es wäre das mindeste, um nicht zu sagen: unsere Verantwortung das zurückzugeben! Das auszugleichen, was wir Menschen wegnehmen, um es zu nutzen. Dieses Bewusstsein und Wertschätzung müssen dringend erwachsen. Ich plädiere an den Berliner Bürgermeister alle Dächer begrünen zu lassen. Oder mit Solarpaneelen auszustatten.
 
Ok, du bist sehr engagiert in dieser Richtung.
Ja, aber weißt du, sogar wenn ich den ganzen Plastikmüll aus dem Meer gefischt habe, hat es mir immer das Herz gebrochen, nicht wirklich zu wissen, wohin damit! In Asien oder Südamerika zum Beispiel landet er oft auf der nächsten Müllhalde mitten im Dschungel – wird in der Erde vergraben oder einfach draußen verbrannt, unter Freisetzung vieler giftiger Gase. Leider ist dort ein weitverbreiteter Gedanke: „Ja, wenn man es nicht mehr sehen kann ist es weg!“ Aber so ist es natürlich nicht. Daher habe ich viele Jahre daran gearbeitet, eine Stiftung zu entwickeln und zu gründen – die „Lighten Up Foundation“.

Und wofür engagiert sich die Stiftung?
Wir wollen das gesammelte Ozean-Plastik u. a. in ein Produkt recyceln, das sogar Freude bringt. „Turning Trash into Joy!“, also Müll in Freude verwandeln – nämlich Hula-Hoop-Reifen, die dann an Kinder in 3.Welt-Ländern und Flüchtlingslagern verteilt werden. Diese sollen im besten Fall noch mit LEDs bestückt werden, die von kleinen Batteriezellen betrieben werden, die sich durch Bewegung aufladen und so nachts auch noch Licht bringen! In vielen Regionen der Welt immer noch keine Selbstverständlichkeit. Daher „Lighten Up Foundation“. Lichtquellen führen an diesen Orten zu weniger Gewalt und mehr Bildung. 

Das ist wirklich eine wunderschöne Idee ...
Danke. Ich arbeite in dem ganzen Prozess mit anderen Organisationen zusammen, denn es geht hier nicht um Eitelkeiten – den alleinigen Credit für eine mittlerweile dringende Arbeit wie diese zu bekommen – sondern, dass wir auf dem gesamten Planeten zusammenarbeiten, um bereits existierende, gut funktionierende Strukturen möglichst schnell und effektiv weiterzuverbreiten. So sind wir auch weiter offen für Unterstützer und Partner. Und die Stiftung setzt schon einen Punkt davor an, nämlich Bildung zu fördern, Alternativen zu zeigen und zu promoten, damit erst gar nicht so viel Plastikmüll produziert wird.

Im Film „Lassie“ tanzt Du auch mit einem Hula-Hoop-Reifen und bist in einem Zirkuswagen unterwegs ...
(lächelt) Ja, ich glaube, die Rolle ist mir dahingehend auf den Leib geschneidert. Franka ist eine Lebenskünstlerin und Freigeist. Sie liebt die Natur, kann gut mit Hunden umgehen, und genießt es durch die Gegend zu reisen, sich bunt anzumalen und Kinder zum Lachen zu bringen! Auch ich habe im Grunde die Hälfte meines Lebens „on the Road“ und aus Koffern gelebt und bin jemand, der das Leben ehrt und feiert und zum Beispiel jeden Tag tanzt! Oft mit dem besagten Hula-Hoop-Reifen. Es ist mir wirklich egal, wie kalt es draußen ist. Zehn, fünfzehn Minuten tanze ich jeden Tag an der frischen Luft. Das können meine Nachbarn bezeugen. Ob sie das so nun gut finden oder nicht, denn ich singe dabei nämlich gerne mit (lacht). Aber es ist einfach meine Medizin, beziehungsweise eins meiner Rituale, um gar nicht erst krank zu werden und gesund zu bleiben. Denn es befreit – von Gedanken und Spannungen, Ängsten – es bringt einen pur ins Hier und Jetzt, in den Moment. Tanzen führt mich so immer wieder zurück in meine Mitte, aus dem Kopf ins Herz.

Ich habe ja in den 1970ern die Fernsehserie „Lassie“ gern gesehen. Du auch?
Ich kenne Lassie natürlich aus meiner Kindheit auch noch. Unser Film orientiert sich sehr an der Original-Romanvorlage. Und ist an moderne Lebensgewohnheiten angepasst. Aber die Essenz, diese unzertrennliche Freundschaft zwischen einem Kind und seinem geliebten tierischen Begleiter ist ja ein zeitloser Wert.

Neben „Lassie“ gibt es im Film noch einen zweiten tierischen Star – Deine Toots.
Oh ja, meine kleine Filmhündin, sie ist sooo süß, oder?! Es war einfach Liebe auf den ersten Blick.

Ist Jana auch privat eine Hundebesitzerin?
Persönlich habe ich hier in Berlin leider keinen eigenen Hund. Aber wenn ich im Dschungel lebe! Da gibt es viele freilebende Strandhunde. Und immer, wenn ich länger dort bin, gibt es eine Hündin – Ruby – die fast immer mit mir zusammen ist. Bin ich nicht da, schauen andere nach ihr. Ich liebe Hunde und Katzen sehr.

Bist Du oft in Deinem kleinen Paradies, abseits der Zivilisation, und warum?
Ich brauche diese Zeit so direkt in der Natur. Es hat mich vor vielen Jahren gerettet. Dieses pure auf das Essentielle reduzierte Leben, diese Wiederverbindung mit den Wurzeln. Die Natur hat mir viel beigebracht. Und tut es immer noch. Es hat mit Urvertrauen wiedergegeben. Ich sage immer, dort bin ich wirklich erwachsen geworden. Ich entwickle und schreibe über diese ganze Transformations-Reise gerade eine Serie für einen Streamer. Ich kann dort auch am besten kreativ sein. Gerade war ich eine Weile dort, um an meinen Drehbüchern zu schreiben und mein Regie-Debüt vorzubereiten.

Oh, ein völliger Neustart für Jana Pallaske?
Was heißt völliger Neustart, so etwas kommt ja nicht von einem Tag auf den anderen, es baut ja auf dem auf, was ich all die Jahre gemacht habe. An meiner ersten eigenen Serie, die wir gerade umsetzen – „FAiRiES ULTRA“ – arbeite ich schon viele Jahre, diszipliniert und mit unbeirrbarem Glauben. Und es hat sich gelohnt, denn ich habe dafür jetzt ein paar große, starke Partner an meiner Seite gefunden.

Also eher ein neuer Job. Gibt es einen, den Du bisher am liebsten gemacht hast?
Ich war mir meiner Verantwortung als Kulturschaffende / Künstlerin einfach immer bewusst. Und mir war und ist es immer wichtig zu wissen, was ich mit meiner Arbeit hinterlasse. Ich wollte meine Lebenszeit und Kraft einfach nie verschwenden, sondern dazu verwenden, Dinge zu tun und zu hinterlassen, die nachhaltig wertvoll sind. Solche, die positive Inspirationen weitergeben, Menschen ermutigen und an ihre Kraft erinnern. Auch deswegen bin ich an dem Punkt angekommen zu sagen, ich gründe eine eigene Produktionsfirma. Als Schauspielerin war es für mich oft schwer, denn man ist abhängig, nur Instrument zur Umsetzung von Stoffen anderer, muss warten… Ich bin bereit, in die Verantwortung zu gehen und zu sagen „ich pack das an“. Ich setze mich auf den Hosenboden und schreibe über die Inhalte, die ich wichtig und hilfreich, nachhaltig wertvoll finde. Ich kämpfe dafür, investiere selbst darein, produziere, ich traue mir zu, dieses Team zu leiten. Mir geht es am Ende immer darum, mit allem, was ich tue, etwas Wertvolles weiterzugeben – etwas Positives, ich will ermutigen, Kraft geben, in dieser ziemlich herausfordernden Welt und Zeit.

 Interview: Bernd Wegner

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