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»Ich genieße, was gerade passiert«

30.05.2018

»Ich genieße, was gerade passiert«

Mit Filmen wie „Black Panther“ oder in der „Avengers“-Reihe startet Florence Kasumba in Hollywood durch – und ist doch bodenständig geblieben.

Nur wenige deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler haben den Sprung nach Hollywood geschafft. Wie ist Ihnen das gelungen?
Ich bin nicht den gewöhnlichen Weg wie andere, die es versuchen, gegangen. Ich habe in Holland studiert, und mein Ziel war immer, in Deutschland zu arbeiten. Mein auffälliger Look – ich trage privat Glatze und habe eine athletische Figur – hat total ins Universum von Marvel Entertainment, die die Rechte an den berühmten Comics besitzen, gepasst. Die haben mich gefunden und zum Casting eingeladen. Damals wusste ich nicht, wofür ich vorspreche, da bei den großen Hollywood-Produktionen der Titel oft geheim ist. Außerdem kannte ich zu der Zeit weder die Comic-Verfilmungen, noch wusste ich, wie groß die Geschichte sein wird. Es war einfach nur ein Job. Als ich dann aber zum „The First Avenger: Civil War“-Set kam und Chadwick Boseman und Scarlett Johansson sah … (lacht)

Der Film spielte über 1,1 Milliarden Dollar ein. Ihre Rolle als Ayo, ein Mitglied der Leibwache des Wakanda-Königs T’Challa, nahmen Sie dann erneut an im riesigen Hit „Black Panther“, der sogar auf über 1,3 Milliarden Dollar Einspielergebnis kam. Und aktuell waren Sie in der Rolle im genauso erfolgreichen Film „Avengers: Infinity War“ zu sehen.
Ja, jetzt bin ich mittendrin. (lacht) Die Filme sind erfolgreich, die Leute sprechen mich an und freuen sich für den Erfolg. Das macht mich glücklich.  Ich muss gestehen, dass ich „Black Panther“ gleich vier Mal gesehen habe. Einerseits, weil ich meinen Kindern den Film zeigen wollte, aber auch weil ich ihn sehr mag. Bei der Hollywood-Premiere Ende Januar war ich sehr emotional, denn wir haben vor Blue- und Greenscreens gedreht, also in einer blauen und grünen Kulisse, und ich musste mir viele Dinge wie im Theater vorstellen. Wenn man dann den Film sieht, der daraus entstanden ist, ist man erst mal baff. Alles andere, was gerade passiert, das genieße ich.

Werden Sie beim Kinobesuch erkannt?
Das kommt schon vor. Vor allem von schwarzen Kinobesuchern. Man schaut sich an, und dann folgt ein breites Grinsen. (lacht) Was ich besonders lustig finde: Die Kriegerinnen haben einen speziellen Gruß für den König. Wir kreuzen die Arme rechts über links vor der Brust. Manchmal grüßen mich Leute so. (lacht) In den USA vermutlich noch etwas häufiger. In den USA entstand bereits während der Dreharbeiten ein großer Hype um den Film. Und wir merkten schon zu der Zeit, dass wir da etwas Besonderes machen. Im Januar war ich für die Film-PR dort. Die Begeisterung war sehr groß. Man komm am Flughafen an, ist ein bisschen aufgeregt, weil die Beamten bei der Einreise sehr streng sind, hofft, dass man gut durchkommt – und dann grinsen sie einen an und sagen: „Wakanda forever!“ Wahnsinn, welche Wirkung so ein Film auf die Menschen hat.

Sie waren schon vorher in einer US-Produktion zu sehen: in der Fantasy-Serie „The Quest“.
Das war meine erste US-Produktion. Sie wurde 2013 in Österreich für den Sender ABC gedreht. Ich spielte Fate Talmuh und durfte mit meinen Schwestern über das Schicksal der Teilnehmer entscheiden. Das war rollenmäßig ein hoher Einstieg. Danach habe ich eine Ärztin in der zweiten Staffel der SYFY-Serie „Dominion“ gespielt. Es folgte die Hexe East in der NBC-Serie „Emerald City“. Viele Schauspieler in Hollywood müssen sich mit Jobs über Wasser halten und hoffen, dass sie irgendwann besetzt werden. Ich musste diese Erfahrung glücklicherweise nie machen. Da ich so hoch eingestiegen bin, werde ich wie meine Kollegen bei US-Produktionen sehr speziell behandelt. Man wird in Luxushotels untergebracht, hat einen Assistenten, der einen begleitet, und man wird am Set mit großem Respekt behandelt. Ich weiß es zu schätzen, lasse es mir aber nicht zu Kopf steigen. Man muss da wirklich aufpassen ...

… um nicht abzuheben?
Man muss sich klarmachen, dass es nicht das reale Leben ist. Ich finde es wichtig, dass man bei so einer Behandlung besonders höflich ist. Schauspieler werden bei US-Produktionen sehr verhätschelt. Nicht, weil sie so toll sind. Das geschieht, damit wir, wenn es darauf ankommt, hundertprozentig funktionieren. Im Alltag würde mir das tierisch auf die Nerven gehen, wenn ständig jemand bei mir ist, der mich fragt: „Ist alles okay? Kann ich dir noch was bringen? Lass mich deine Tasche tragen. Hier ist dein Strohhalm. Ich kann es auch für dich halten.“ Ich habe viele Kollegen, die das lieben, diese Behandlung erwarten. Für mich ist das fremd. Ich bin so nicht erzogen worden.

Als Ayo spielen Sie eine toughe Kriegerin.
Meine Ayo-Interpretation in „The First Avenger: Civil War“ hat mir in den Staaten sehr viel Respekt erbracht. Überhaupt wurde ich dort immer in starken Rollen besetzt. Der amerikanische Zuschauer kennt mich gar nicht anders. Im Jahr 2014 kamen aus Deutschland sehr viele Anfragen für Flüchtlingsrollen. Ich erzähle mit jeder Figur eine Geschichte, aber zu dem Zeitpunkt dachte ich mir, dass ich auch Charaktere spielen kann, bei denen die afrikanische Herkunft keine Rolle spielt. Es gab zu der Zeit auch Anfragen wie: „Wir suchen eine Schauspielerin, die muss schwarz sein. Und sie muss auch gar nicht spielen können. Und am besten kann sie Kisuaheli.“ Da dachte ich: „Leute, in meinem Lebenslauf steht, ich komme aus Uganda, da spricht man eine andere Sprache. Und ich habe ein abgeschlossenes Studium in Schauspiel, Gesang und Tanz. Das  bedeutet: Ich arbeite nicht für null Euro.“

Hat Sie diese stereotype Besetzung in Deutschland gestört?
Auf jeden Fall. Ich möchte nicht, dass der deutsche Zuschauer schwarze Leute im Fernsehen sieht, die Putzfrauen, Prostituierte, Drogendealer spielen, die Voodoo machen oder Flüchtlinge sind. Das gibt es natürlich im wahren Leben, aber es geht auch anders.

Begonnen haben Sie Ihre Karriere mit einem Musical-Studium.
Ich finde es immer noch toll, dass meine Mutter mir damals erlaubt hat, diesen Werdegang einzuschlagen. Es gibt viele Eltern, die sich sorgen, wenn sich ihre Kinder für eine künstlerische Laufbahn entscheiden. Ich habe schon als Jugendliche gemerkt, dass ich tanzen und singen kann und daraus meinen Beruf machen möchte. Ich wollte in der Nähe meiner Eltern – wir lebten in Essen – studieren. Ich bin zur Fontys Hogeschool voor den Kunsten in Tilburg in Holland gegangen, weil ich mir in Deutschland keine private Ausbildung leisten konnte. Es gab in den 90ern nicht so viele Ausbildungsmöglichkeiten. Holland war eine tolle neue Erfahrung für mich. Denn ich war es bis dahin nicht gewohnt, im Alltag so viele Menschen mit meiner Hautfarbe zu sehen.

In Ihrer Familie war Bildung wichtig.
Man hat uns gesagt, wie wichtig es ist, zur Schule zu gehen, Sprachen zu lernen, um dann entscheiden zu können, was wir beruflich machen möchten. Es gibt viele schwarze Menschen, die ihre Kinder so erziehen, deren Kinder gebildet sind und auch Karriere gemacht haben. Dieses Bild wird leider selten gezeigt. Deswegen funktioniert ein Film wie „Black Panther“, in dem schwarze Menschen starke, erfolgreiche Persönlichkeiten darstellen.

Haben Sie noch Beziehungen nach Uganda?
In Uganda sind meine Wurzeln. Da bin ich geboren und der Großteil meiner Familie lebt dort. Mein Leben spielt sich in Deutschland ab. Hier bin ich aufgewachsen, hier bin ich zu Hause. Ich werde oft von Leuten angesprochen, die mir erzählen, dass sie zum Beispiel Kenia kennen. Ich sage dann: Das ist schön, dass Sie Kenia kennen. Ich bin in Essen im Ruhrpott aufgewachsen.“ Unlängst fragte mich jemand „Wann gehst Du wieder zurück?“

Wie unverschämt.
Das ist ja gar nicht böse gemeint. Deshalb versuche ich, auch nicht so zickig darauf zu reagieren. Aber es fühlt sich für mich an wie: Du bist hier nicht willkommen. Du bist hier zu Besuch oder auf Durchreise. Aber das bin ich ja nicht. Ich bin hier im Kindergarten gewesen, in der Grundschule, habe das Abitur gemacht und hatte dann das Glück, dass ich reisen durfte und im Ausland studiert habe. Das alles hat mich sehr geprägt.

Sie spielten viele Rollen im Musical, die Hauptrolle in „Aida“ in Hamburg zum Beispiel oder „Shenzi“ in „König der Löwen“. Die Rolle der Hyäne übernehmen Sie nun noch einmal Disney-Film, der 2019 ins Kino kommt. Ein Remake des gleichnamigen Films von 1994.
Die Besetzung ist ein Riesen-Kompliment. Ich habe die Rolle in Hamburg geliebt. Und obwohl sie körperlich wirklich anstrengend war, habe ich Shenzi sehr gerne gespielt. Jetzt den Film machen zu dürfen, Teil des Casts zu sein, ist natürlich auch wieder etwas Besonderes.

Aus deutschen Filmproduktionen haben Sie sich aber nicht verabschiedet?
Nee, im Gegenteil. Nach meiner langen Zeit in Amerika habe ich mich letztes Jahr sehr über die „Dr. Klein“-Dreharbeiten gefreut. Durch mein Studium in Holland habe ich bereits mit 19 gemerkt: Je flexibler ich bin, je offener, je mehr Sprachen ich beherrsche, desto mehr Arbeitsmöglichkeiten habe ich. Ich drehe überall, wo man mit mir arbeiten möchte. Mir ist es völlig schnuppe, ob ich für einen Dreh nach München fliege oder in die Staaten. Mein Job, eine Geschichte zu erzählen, ist überall gleich. Gerade habe ich eine „Alarm für Cobra 11“-Episode abgedreht. Und im Herbst bin ich in der Amazon-Prime-Serie „Deutschland 86“ zu sehen.

Bei den vielen amerikanischen Produktionen: Liebäugeln Sie mit einem Umzug in die USA?
Dass ich in Berlin wohne, scheint niemanden davon abzuhalten, mich für internationale Produktionen zu engagieren. Ich mag an Berlin, dass wir hier keine Paparazzi haben. Als ich im Januar in L. A. mit meinem Mann aus dem Flieger stieg, habe ich mich bis zum Auto gewundert, wen die langen Linsen beobachten. Erst im Wagen habe ich geschnallt, dass wir fotografiert wurden. Das passiert mir in Berlin nicht, weil es den Berliner einfach mal nicht interessiert. Ich habe gerne meine Ruhe, wenn ich privat unterwegs bin. Mir geht es hier gut. Ich habe alles, was ich brauche, und ein richtig angenehmes, ausbalanciertes Leben. Ich möchte auch nicht auf ein Auto angewiesen sein. Ich fahre sehr viel mit der BVG: Das ist total praktisch. Und ich bin dankbar, dass wir in Berlin so ein gutes Verkehrsnetz haben. Wenn es schnell gehen muss, nehme ich die U-Bahn.

Interview: David Rollik

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