Berliner U-Bahnwagen: Zwei Netze in einem Betriebsverbund

Berliner U-Bahnwagen: Zwei Netze in einem Betriebsverbund

© Joachim Donath

Die Berliner U-Bahn stammt von der Straßenbahn ab und hat in ihren Anfängen auch die Abmessungen übernommen: Die Wagenkastenbreite der historisch ersten vier Linien U 1 bis U 4 war mit 2,30 Metern analog zu den Tramzügen. Erst ab den 1920er-Jahren baute man das breitere und höhere (2,65 Meter Breite und 3,40 Meter Höhe) Großprofil auf allen Linien U 5 bis U 9. Beide Profile haben die westeuropäische Eisenbahnspurweite von 1 435 mm, sind aber dennoch eigentlich zwei getrennte Netze.

Näheres zu Klein- und Großprofil

Nicht nur die Wagenkastenbreite, sondern auch die Stromversorgung der beiden Profile unterscheidet sich fundamental. Wird bei den Kleinprofilstrecken der Strom von oben abgenommen, greift der Abnehmer beim Großprofil von unten auf die Stromschiene zu – ein zusätzlicher Sicherheitsgewinn. Außerdem ist die Polarität der 750-Volt-Gleichstromversorgung zwischen Klein- und Großprofil unterschiedlich. Trotzdem können wegen der einheitlichen Spurbreite Kleinprofilzüge auf Großprofilstrecken zu Wartungszwecken mit Spezialloks in Werkstätten geschleppt werden. Es gibt dafür zwei Verbindungstunnel zwischen den beiden Netzen.

Bahnrechtlich unterliegt die U-Bahn übrigens der Betriebsordnung Straßenbahn (BO StraB), ist also formal eine Straßenbahn, die zeitweise unterirdisch fährt.

Moderne Großprofilzüge ohne Barriere

Der Zug Typ H gilt als größte Innovation der Berliner U-Bahn. Sechs Wagen, durch die Fahrgäste während der Fahrt ungehindert von vorn nach hinten schlendern können. Besonders sehenswert wirkt die Durchfahrt der engen U-Bahn-Kurve zwischen Mehringdamm und Gneisenaustraße auf der U 7, wenn sich der lange Wurm spektakulär windet. Außerdem sind die H-Züge barrierefrei.

Auch ältere Züge haben ihren Charme

Die ältesten Kleinprofilzüge, die noch im Einsatz sind, tragen die betriebsinterne Bezeichnung A3. Sie sind in den 1960er- und 70er-Jahren gebaut worden und verkehren beispielsweise auf der Linie U4. Aber auch Züge der letzten Ostberliner Neuanschaffung ein Jahr vor dem Fall der Mauer – die eckigen Gisela-Züge mit nur zwei Türen pro Seite – fahren inzwischen modernisiert im Netz.

 

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