Architektur

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© Joachim Donath

173 U-Bahnhöfe prägen das Berliner Stadtbild, und gebaut wird immer irgendwo. Derzeit ist neben zahlreichen Sanierungsarbeiten der Lückenschluss der U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor das größte Projekt. In der Geschichte der Berliner U-Bahn gibt es drei große sogenannte Ausbaustufen, während denen das Netz wuchs.

Die drei Ausbaustufen der U-Bahn

Während der ersten Ausbaustufe von 1902 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 entstand zunächst die „Stammstrecke“, die bis heute überwiegend keine U-Bahn, sondern eine Hochbahn ist. Auch heute verkehrt zwischen Warschauer Brücke und Gleisdreieck die U1 auf einem Viadukt über der Straße und dem Landwehrkanal. Erst kurz vor dem U-Bahnhof Kurfürstenstraße taucht sie in den Untergrund ab. Das zweite große Bauvorhaben der ersten Ausbaustufe war die heutige U3, die Dahlem mit dem Nollendorfplatz verbindet und damals auf der Strecke der heutigen U2 weiter zum Alexanderplatz fuhr. Auch die U3 und die U4 wurden noch vor dem Ersten Weltkrieg begonnen, sie waren Prestigeobjekte der damals unabhängigen reichen Gemeinden Charlottenburg und Schöneberg. In der zweiten Ausbaustufe zwischen den Weltkriegen wurden vor allem die innerstädtischen Teilstrecken des Großprofilnetzes auf den heutigen Linien U5 bis U9 gebaut. Ab 1953 wurde die dritte Ausbaustufe in Angriff genommen. Im Westteil Berlins wurde an den Enden der Linien U7 und U9 weitergebaut sowie die U6 nach Norden verlängert. Im Osten baute man die U5 in Richtung Hönow aus.

Beim Bau der Berliner U-Bahnhöfe war eine ganze Reihe namhafter Architekten beteiligt. Zwei Baumeister ragen jedoch aus der Reihe ihrer Kollegen heraus: Alfred Grenander in der ersten und zweiten Ausbaustufe und Rainer G. Rümmler in der dritten Ausbaustufe.

Alfred Grenander

Der schwedische Architekt Alfred Grenander (1863-1931) war von Anfang an beteiligt an der Planung und dem Bau der Berliner U-Bahnhöfe. Seine drei wichtigsten Hauptwerke sind der Umbau des U-Bahnhofs Wittenbergplatz 1913, die Schaffung des monumentalen U-Bahnhofs Hermannplatz mit direktem Anschluss an das Karstadt-Kaufhaus sowie der U-Bahnhof Alexanderplatz mit drei unterirdischen Ebenen. Grenander hatte für die Fahrgäste eine umwerfend simple Idee: Er stattete seine Bahnhöfe mit einer „Kennfarbe“ aus, die sich von anderen Bahnhöfen derselben Linie unterscheidet. Damit reicht den Fahrgästen ein kurzer Blick, um zu wissen, wo sie gerade sind. Weitere herausragende U-Bahnhöfe von Alfred Grenander sind: Stadtmitte (U2), Südstern, Platz der Luftbrücke, Märkisches Museum, Rosa-Luxemburg-Platz.

Rainer G. Rümmler

Rainer G. Rümmler (1929-2004) gilt als der führende Architekt der dritten Ausbaustufe in West-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Alle Bahnhöfe der westlichen Verlängerung der U7 von Möckernbrücke bis Rathaus Spandau aus den 1970er und 1980er-Jahren entstammen seiner Feder. Er behielt das von Alfred Grenander eingeführte Prinzip der „Kennfarbe“ bei und ging darüber hinaus bei der Farbgebung auf die Namen der Stationen ein. Das Grün der Wände am U-Bahnhof Eisenacher Straße ist eine Anspielung auf den Thüringer Wald, die Station Bayerischer Platz ist in Weiß-Blau gehalten und am Bahnhof Paulsternstraße prangen Sterne an der Decke, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch die Verlängerung der U7 nach Rudow und viele Bahnhöfe der U9 und U8 sind das Werk von Rümmler.

Einige U-Bahnhöfe weisen scheinbare Kuriositäten auf: Die Bahnhöfe Rathaus Steglitz, Schloßstraße, Walther-Schreiber-Platz, Innsbrucker Platz und Kleistpark sind als viergleisige Umsteigebahnhöfe angelegt, um auf die einst geplante U10 vorzubereiten. Auch der U-Bahnhof Jungfernheide ist viergleisig. Hier sollte nach alten Plänen die Verlängerung der U5 vorbeikommen. Vom ebenfalls viergleisigen heutigen U-Bahnhof Deutsche Oper fuhr bis 1970 eine Minilinie zum Richard-Wagner-Platz. Der Abzweig wurde mit der Verlängerung der U7 in Richtung Spandau für den Fahrgastverkehr überflüssig. Für Betriebsfahrten wird er jedoch noch genutzt.