Eine fahrende Ausstellung zur Geschichte der Demokratie in Deutschland

© Sven Creutzmann/Mambo Photo

U55: Mit dem D-Zug zum Bundestag

An keinem anderen Ort manifestiert sich die jüngere Geschichte Deutschlands und der deutschen Demokratie wie hier. Das Reichstagsgebäude war Schauplatz großer politischer Entwicklungen, es war und ist ein Symbol der Demokratie, und es wurde missbraucht von einer menschenverachtenden Diktatur. Seit 1999 Sitz des Bundestags im wiedervereinigten Deutschland steht es für das unverrückbare Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie. Mit dieser fahrenden Ausstellung in historischen Wagen der zwischen 1956 und 1973 gebauten Modellreihe „D“ („Doras“) verneigt sich die BVG vor den Werten der Demokratie. Sie zeigt anhand von 22 Fotografien, wie das Reichstagsgebäude als Symbol und Kulisse für die Entwicklung Deutschlands, für Freiheit und Vielfalt steht.

D wie Dora, D wie Demokratie

„Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer.“ Das großflächige Zitat Willy Brandts auf der Außenhülle der betagten, auf Vordermann gebrachten „Dora“-Züge stimmt ein auf die zwar kurze, aber besondere Reise auf der U55. Weiter sagte Brandt: „Darum – besinnt euch auf eure Kraft und darauf, daß jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“

D-Zug der BVG:  Ein Zeichen für Freiheit, Vielfalt und Toleranz

Mitten durch das Regierungsviertel lassen wir auf unserer jüngsten Untergrundlinie historische Doppeltriebwagen pendeln, inklusive einer fahrenden Ausstellung zur Geschichte der Demokratie in Deutschland. Deren Werte – etwa Herrschaft auf Zeit, regelmäßige allgemeine Wahlen, Gewaltenteilung, Unabhängigkeit der Gerichte – sind ein Schlüssel zum friedlichen Miteinander, auch hier in Berlin. Als einer der größten Dienstleister und Arbeitgeber in der deutschen Hauptstadt ist die BVG ein wichtiger Teil Berlins und Zeuge seiner bewegten Historie. Mit dem D-Zug verneigen wir uns nun vor den errungenen demokratischen Werten. 

Zeitreisen: 99 Jahre in zweieinhalb Minuten

Von Brandts Zitat an der Außenhülle der Wagen eingestimmt, mag sich so mancher Fahrgast, der auf den grünen Kunstledersitzbezügen Platz nimmt und auf die Wandverkleidung in Holzoptik blickt, allein durch das Setting in die Vergangenheit versetzt fühlen. Und eine Zeitreise ist es in jedem Fall: Über die fotografischen Momentaufnahmen, bei denen stets das Reichstagsgebäude eine Rolle spielt, gelangt man auf der zweieinhalb-minütigen Fahrt entlang der U-Bahnhöfe Brandenburger Tor, Bundestag und Hauptbahnhof zurück bis ins Jahr der Novemberrevolution und der Ausrufung der deutschen Republik (1918). Stationen sind dabei Ereignisse wie die Leichtathletik-Weltmeisterschaft (2009), die erste Sitzung des nach Berlin umgezogenen Bundestags (1999), der friedliche Fall der Berliner Mauer (1989), Kundgebungen in den sechziger Jahren oder die „Stunde Null“ nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1945).

Die Doras fahren, bis die U5 kommt

Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Das gilt auch für die Ausstellung selbst. In den letzten Monaten wurden die Archive gewälzt, um eine kontrastreiche Mischung der Ereignisse für die Fahrgäste zusammenzustellen. Und tatsächlich steht das Ende der fahrenden Ausstellung in den historischen Doppeltriebwagen bereits fest: Mit der Durchbindung der U5 (dem sogenannten „Lückenschluss“) voraussichtlich im Jahre 2020 geht die U55 in der verlängerten Mutter-Linie auf. Spätestens dann endet für die Dora-Züge ihr Einsatz, mit ihnen die Ausstellung und damit auch ein weiteres Kapitel Berliner U-Bahngeschichte. Übrigens: Die Verlängerung der U-Bahnlinie 5 hätte es ohne Mauerfall und deutsche Einheit, die Willy Brandt einst mit „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“ kommentierte, nie gegeben.

„Making-of“

Fotos vom Austausch der Doppeltriebwagen der F-Reihe gegen die Wagen des Typs D auf der U55 und Momentaufnahmen von der Ausstellungsgestaltung finden Sie in der Bildergalerie.

Dora U55

U55-Wagentausch